Zwar schlägt sich der breite Markt in den USA, gemessen am S&P 500, immer noch gut. Aber das Flaggschiff Dow Jones hat es letzte Woche recht herbe erwischt: Gut 1.100 Punkte gingen verloren. Noch brennt da charttechnisch nichts … aber „noch“ sollte man da unterstreichen.
Als ich den Ursprung dieser Überschrift „wehret den Anfängen“ nachschlug, fiel mir auf, dass auch der gesamte Ausspruch des römischen Dichters Ovid zur aktuellen Lage passt: „Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind!“ Das passt zum typischen Verhalten des Aktienmarkts. Denn wenn es um Risiken, sprich um „Übel“ geht, ignorieren die meisten Marktteilnehmer diese so lange es irgend geht. Und das endet oft auch mal mit einem großen Knall, wo zuvor, hätte man zeitgerecht den Gang herausgenommen, eine normale Korrektur gereicht hätte.
Und man könnte schon zu dem Schluss kommen, dass sich der Dow Jones bzw. der US-Aktienmarkt insgesamt in einer Situation bewegt, in welcher man das Übel durch zu langes Wegsehen erstarken ließ. Ein Übel, das sich durch eine ziemlich teure Bewertung (aktuelles KGV 26,55, deutlich über dem langjährigen Schnitt) in einem Umfeld äußert, das zunehmende Risiken für das Wachstum birgt.
Und man könnte diese Risiken problemlos wahrnehmen. Ob und wie sehr sich Donald Trumps Wirtschaftsagenda als Bumerang erweisen wird, ist zwar noch völlig offen. Aber das ist eben auch nicht das eigentliche Problem. Entscheidend ist, was die Verbraucher denken und tun, denn sie alleine sind es, die mit den Füßen bzw. mit dem Geldbeutel darüber abstimmen, ob die US-Wirtschaft weiter solide wächst oder in ein Loch fällt. Und dass die Verbraucher immer nervöser werden, konnte man am Freitag anhand der aktuellsten Daten zum von der Universität Michigan ermittelten US-Verbrauchervertrauen sehen:
Das Verbrauchervertrauen sank entsprechend dieser aktuellsten Umfragewerte auf den niedrigsten Stand seit Ende 2023. Während die Inflationserwartung der befragten US-Verbraucher auf Sicht eines Jahres von 2,8 Prozent zu Jahresanfang auf jetzt 4,3 Prozent nach oben schoss, die mittelfristige Inflationserwartung stieg im selben Zeitraum von 3,0 auf 3,5 Prozent.
Doch auch, wenn diese neuesten Ergebnisse in Sachen Konjunktur problematisch waren, sie waren nicht wirklich neu. Diese zweimal monatlich vorgelegten Ergebnisse sind bereits seit Ende Januar auffällig auf dem absteigenden Ast. Nur wurde das Übel eben größer, während man am Aktienmarkt damit beschäftigt war, nach den Sternen zu greifen. Jetzt allerdings scheint der Deich erste Risse bekommen zu haben, wie die Charts zeigen:
Expertenmeinung: Der Dow Jones begann am Donnerstag auf einmal kräftiger abzurutschen, am Freitag setzte sich der Abverkauf fort. Dabei fiel auf, dass es kaum Gegenwehr gab. Spielte der am Freitag absolvierte Abrechnungstermin der Terminbörse diesmal ausnahmsweise eine die Kurse drückende Rolle? Möglich ist es, aber es wäre ungewöhnlich, immerhin bewegen sich die US-Märkte insgesamt im Aufwärtstrend … und das bisherige Verlaufshoch des Dow bei 45.073 Zählern war in Reichweite. Daher ist eine schnell zunehmende Unruhe unter den Bullen die momentan wahrscheinlichere Erklärung. Und das wirft die Frage auf: Was ist da bislang an Flurschaden angerichtet worden und wo liegen jetzt im Chartbild die Risiko-Levels?

Die am Freitag unterbotene Supportlinie bei 43.879 Punkten war die Nackenlinie einer kurzfristigen Toppbildung. Durch das deutliche Unterschreiten dieser Linie liegt diese jetzt als Barriere vor einem neuen Anlauf an das bisherige Rekordhoch. Zwar liegen die mittelfristig entscheidenden Unterstützungslinien noch unter dem Index … allerdings nicht gerade komfortabel weit entfernt. Dass erst mit einem Schlusskurs unter dem bisherigen, im Januar erreichten Jahres-Verlaufstief bei 41.845 Punkten ein großes Doppeltopp vollendet und die 200-Tage-Linie unterboten wäre, ist zwar richtig. Eine vorgelagerte Chartzone erscheint mir aber eigentlich wichtiger, die sehen wir im Chart auf Wochenbasis:

Es geht um die obere Begrenzungszone des mittelfristigen, im Herbst 2022 etablierten Aufwärtstrendkanals. Diese Zone hatte der Dow Jones im Herbst 2024 überwunden und dann bei dem Januar-Rücksetzer einigermaßen verteidigt. Jetzt rutscht der Dow aber erneut auf diese sukzessiv ansteigende Zone zu. Schlusskurse klar unter 42.600 Punkten würden den Index bereits in diesen Trendkanal zurückdrücken. Passiert das, wäre das Risiko, dass ein Doppeltopp vollendet wird, stark erhöht.
Zwar trennen den Index noch etwa zwei Prozent von dieser „Problemzone“. Aber wenn die Bullen nur noch ein bisschen unruhiger werden sollten, ist das eine Distanz, die womöglich überraschend schnell zurückzulegen wäre, immerhin wäre das nicht viel mehr, als der Dow am Freitag verloren hatte.
Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2025? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top Flop – MDAX Top Flop – Euro Stoxx Top Flop – Dow Jones Top Flop – Nasdaq 100 Top Flop
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen